Warum mich mein eigener Gitarrentrainer gerade vom Üben abhält

Was als kleines Projekt fürs Gitarrentraining begann entwickelt sich zu einen wahrhaften Zeitkiller.

Geschrieben von

Christian

am

14. Juli 2026

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Zum Üben hatte ich bisher immer eine Liste.

Darauf standen Begriffe oder kurze Anweisungen. Damit war festgehalten, womit ich mich beschäftigen wollte. Mehr sollte diese Liste auch gar nicht leisten.

Eine Liste ist eine Liste.

Für das eigentliche Üben brauchte ich zusätzlich ein Metronom, einen Timer und das passende Material. Mal war das ein Video, mal eine Tabulatur bei Songsterr oder etwas für Guitar Pro. Alles war grundsätzlich vorhanden, aber eben nicht gesammelt an der Stelle, an der ich es während einer Übung brauchte.

Aus der Liste wird ein Gitarrentrainer

Deshalb entstand die Idee für einen eigenen Gitarrentrainer.

Nicht als weitere Liste, sondern als Trainingsprogramm für meine täglichen Gitarrenübungen. Ich möchte eine Übung auswählen und direkt alles vorfinden, was ich dafür brauche. Die Anweisung, die vorgesehene Zeit, einen Timer, das Metronom und das dazugehörige Übungsmaterial.

Links zu Videos oder Tabulaturen sollen nicht irgendwo gesammelt werden. Sie sollen genau bei der Übung erscheinen, zu der sie gehören.

Das klang zunächst nach einer überschaubaren Erweiterung.

War es nicht.

Aus einer Funktion wird ein vollständiges Projekt

Eine Lernkartenfunktion ist vergleichsweise klar begrenzt. Bei einer App für das Gitarrentraining hängt dagegen ziemlich schnell alles mit allem zusammen.

Übungen müssen angelegt, sortiert und ausgegeben werden. Materialien brauchen einen festen Platz. Timer und Metronom müssen während der Übung erreichbar sein. Links und Dateien sollen nicht nur gespeichert, sondern im richtigen Moment leicht zugänglich sein.

Aus einer einfachen Idee wurde damit ein wesentlich umfangreicheres Projekt, als mir zu Beginn klar war.

Selbst mit der Unterstützung von KI, die beim Programmieren inzwischen erstaunlich viel übernehmen kann, bleibt noch genug Arbeit übrig. In meinem Fall kann sie Code schreiben und einzelne Funktionen umsetzen. Wie der Gitarrentrainer tatsächlich funktionieren soll, entscheidet sie aber nicht für mich.

Welche Oberfläche beim Üben hilfreich ist, welche Funktion nur vernünftig klingt und was später möglicherweise mehr stört als hilft, muss ich selbst herausfinden.

Diese Entscheidungen kosten Zeit.

Weniger üben für besseres Üben

Damit bin ich bei einem ziemlich sauberen Widerspruch angekommen.

Ich entwickle einen Gitarrentrainer, der mir beim täglichen Üben helfen soll. Während ich daran arbeite, habe ich allerdings noch weniger Zeit für die Gitarre als vorher.

Im Moment unterstützt mich das Trainingsprogramm also nicht beim Üben. Seine Entwicklung hält mich davon ab.

Trotzdem gehe ich davon aus, dass es mir später wesentlich besser helfen kann als meine bisherige Liste. Wenn der Gitarrentrainer weit genug fertig ist, habe ich nicht nur meine Übungen an einem Ort. Ich kann auch direkt das passende Material öffnen, ein Video aufrufen, eine Tabulatur bei Songsterr verwenden, mit Guitar Pro arbeiten, das Metronom starten und die vorgesehene Übungszeit mitlaufen lassen.

Dann muss ich nicht erst zusammensuchen, was ich für die nächste Übung brauche.

Ich kann anfangen.

Ob sich der Aufwand lohnt, merke ich erst später

Bisher ist das allerdings nur meine Erwartung.

Ob der Gitarrentrainer im tatsächlichen Übungsalltag wirklich so hilfreich wird, wie ich vermute, kann ich noch nicht beurteilen. Vielleicht erleichtert er mir später genau die Dinge, für die mir eine einfache Liste nicht gereicht hat. Vielleicht stelle ich auch fest, dass ich manche Funktionen aufwendiger gebaut habe, als es nötig gewesen wäre.

Das werde ich erst merken, wenn ich nicht mehr hauptsächlich an meinem Gitarrentrainer arbeite, sondern endlich damit übe.

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