Was Wechselschlag/ alternate Picking auf der Gitarre bedeutet
Beim Wechselschlag wechseln sich Abschlag und Aufschlag regelmäßig ab. Auf einen Anschlag nach unten folgt ein Anschlag nach oben, danach beginnt das Muster von vorn. Im Englischen heißt diese Spieltechnik Alternate Picking. In diesem Text geht es um den Wechselschlag mit Plektrum, wie er beim Spielen der E-Gitarre verwendet wird.
Der Begriff wird auch für Spielweisen verwendet, bei denen Zeige- und Mittelfinger abwechselnd anschlagen. Das ist hier jedoch nicht gemeint. Das Plektrum wird von der Schlaghand geführt, bei Rechtshändern also meist von der rechten Hand. Sie übernimmt den gleichmäßigen Wechsel der Anschlagsrichtung, während die Greifhand die Töne vorbereitet.

Beim Wechselschlag arbeitet auch der Rückweg
Das Plektrum spielt nicht nur auf dem Weg nach unten einen Ton. Auch die Bewegung zurück nach oben wird zum Anschlag. Genau darin liegt der wesentliche Vorteil der Wechselschlagtechnik.
Spielst Du ausschließlich Abschläge, muss das Plektrum nach jedem Ton wieder nach oben zurückkehren, ohne dabei eine Saite anzuschlagen. Beim Wechselschlag wird dieser Rückweg genutzt.
Die Hand wird nicht schneller, weil sie sich hektischer bewegt. Sie wird schneller, weil weniger Bewegung ungenutzt bleibt.
Das bedeutet nicht, dass sich das Tempo automatisch verdoppelt. Aufschlag und Abschlag müssen erst gleichmäßig werden. Beide Anschlagsrichtungen sollen die Töne ähnlich laut und mit einem vergleichbaren Klang treffen. Erst dann entsteht aus dem Auf und Ab ein flüssiger Wechselschlag und nicht nur eine schnelle Folge unterschiedlich starker Anschläge.

Der nächste Ton bestimmt den günstigeren Weg
Besonders deutlich wird der Nutzen beim Saitenwechsel. Nach jedem Anschlag befindet sich das Plektrum auf einer bestimmten Seite der Saite. Von dort aus muss es zur nächsten gelangen.
Liegt die nächste Saite weiter unten, kann ein Abschlag bereits in ihre Richtung führen. Liegt sie weiter oben in Richtung der tiefen E-Saite, kann ein Aufschlag den kürzeren Weg ergeben.
Der Anschlag spielt also nicht nur den aktuellen Ton. Er bereitet gleichzeitig den nächsten vor.
Befindet sich das Plektrum nach dem Anschlag bereits auf der passenden Seite, bleibt der Saitenwechsel kurz und direkt. Befindet es sich auf der anderen Seite, muss es erst um die gerade gespielte Saite herumgeführt werden.
Beim Üben lohnt es sich deshalb nicht nur darauf zu achten, ob die richtigen Töne erklingen. Ebenso wichtig ist, wo das Plektrum nach jedem Ton landet.

Geschwindigkeit entsteht auf kurzen Wegen
Beim Wechselschlag spielt nicht nur die Anschlagsrichtung eine Rolle. Auch die Größe des Anschlagswegs entscheidet darüber, wie viel Strecke die Schlaghand zwischen zwei Tönen zurücklegen muss. Das Plektrum muss die Saite nur weit genug passieren, um sie sauber anzuschlagen.
Je kleiner dieser Weg bleibt, desto direkter kann der nächste Anschlag beginnen. Das gilt auf einer einzelnen Saite ebenso wie beim Wechsel auf eine andere.
Geschwindigkeit entsteht nicht allein durch schnellere Bewegungen, sondern auch durch kürzere Wege.
Kurze Wege können Ruhe in die Anschlagshand bringen. Das Plektrum bleibt näher an den Saiten, und die nächste Bewegung beginnt ohne unnötigen Umweg.
Ob der Anschlag hauptsächlich aus dem Handgelenk, dem Unterarm oder aus einer Verbindung beider Bewegungen kommt, ist eine eigene Frage. Für den Grundgedanken dieser Anschlagstechnik ist entscheidend, dass die Bewegung nicht größer wird, als der Ton erfordert.
Eine einfache Übung für gleichmäßigen Wechselschlag
Für eine erste Wechselschlag-Übung braucht es weder ein schnelles Solo noch eine komplizierte Tonfolge. Eine einzelne Leersaite reicht aus. Entscheidend ist zunächst ein gleichmäßiges Muster aus Abschlag und Aufschlag.
Du kannst vier gleichmäßige Töne pro Takt spielen und darauf achten, dass jeder Anschlag denselben Rhythmus, eine ähnliche Lautstärke und einen vergleichbaren Klang besitzt. Dabei geht es nicht darum, sofort schneller zu werden. Die Grundlage ist ein sauberer Wechsel, bei dem die Schlaghand nicht nach jedem Aufschlag oder Abschlag neu ansetzen muss.
Danach lässt sich das Muster auf zwei Saiten übertragen, zum Beispiel auf die hohe E-Saite und die B-Saite. So kommt der Saitenwechsel hinzu, ohne dass gleichzeitig ein komplizierter Fingersatz ablenkt.
Erst im nächsten Schritt können gegriffene Töne ergänzt werden. Dann wird auch die Synchronisation zwischen Anschlagshand und Greifhand Teil der Übung.
Bei Triolen fällt eine weitere Eigenheit des konsequenten Wechselschlags auf. Besteht jede Zählzeit aus drei Tönen, beginnt nicht jede Zählzeit mit derselben Anschlagsrichtung. Auf eine Zählzeit mit Abschlag am Anfang folgt eine mit Aufschlag am Anfang. Das ist kein Fehler im Muster, sondern eine Folge des durchgehenden Wechsels.
So wird aus dem Wechselschlag mehr als ein bloßes Auf und Ab. Die Spieltechnik verbindet Anschlagsrichtung, Rhythmus, Saitenwechsel und kurze Wege zu einer Bewegung, die mit der Zeit gleichmäßiger und flüssiger werden kann.
