Warum ich als Gitarrenanfänger zwangsläufig beim Blues gelandet bin

Ich wollte eigentlich Rock spielen. Trotzdem tauchte der Blues beim Lernen der E-Gitarre immer wieder auf – in der Pentatonik, in Soli, in bestimmten Spielweisen und irgendwann auch in meiner eigenen Vorstellung davon, wie Gitarre klingen kann.

Geschrieben von

Christian

am

15. Juni 2026

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Ich hatte nicht vor, Blues zu spielen.

Das lag nicht daran, dass ich Blues nicht mochte. Ich hatte nur keine besondere Beziehung dazu. Blues war für mich eine Musikrichtung, von der ich wusste, dass sie wichtig ist. Ähnlich wie ein Gebäude, an dem man regelmäßig vorbeikommt und bei dem irgendeine kleine Tafel darauf hinweist, dass dort einmal etwas Historisches geschehen ist.

Man nimmt es zur Kenntnis. Man bleibt aber nicht unbedingt stehen.

Als ich mit der E-Gitarre begann, dachte ich deshalb nicht an zwölf Takte, Bendings oder alte Aufnahmen, die klingen, als wären sie unter erschwerten Bedingungen aus einem Keller geborgen worden. Ich wollte erst einmal Dinge spielen, die für mich eindeutig nach E-Gitarre klangen.

Riffs. Verzerrung. Powerchords. Musik, bei der ich sofort verstand, warum jemand dafür einen Verstärker braucht.

Und trotzdem bin ich beim Blues gelandet.

Nicht, weil ich mich bewusst dafür entschieden hätte. Eher, weil die Gitarre offenbar beschlossen hatte, dass ich an diesem Thema nicht vorbeikomme.

Der Blues tauchte überall auf

Je mehr ich mich mit der E-Gitarre beschäftigte, desto häufiger begegnete mir der Blues.

Mal ging es um die Pentatonik. Mal um Bendings. Mal um Improvisation, Rhythmus oder den Aufbau eines Solos. Selbst wenn das eigentliche Thema Rock war, dauerte es oft nicht lange, bis irgendwo der Blues erwähnt wurde.

Anfangs wirkte das auf mich wie Hintergrundwissen. Etwas, das man kennen sollte, weil es historisch wichtig ist.

Mit der Zeit wurde aber deutlich, dass der Blues nicht nur vor der Rockmusik liegt. Er steckt noch immer in ihr.

Das betrifft nicht nur einzelne Songs oder bestimmte Gitarristen. Viele Dinge, die ich mit E-Gitarre verbinde, lassen sich kaum vom Blues trennen. Bestimmte Tonfolgen, Spielweisen und Klänge tauchen immer wieder auf.

Ich musste also nicht erst meine bisherige Musik verlassen, um beim Blues anzukommen. Ich musste nur genauer hinsehen, woher einiges davon kommt.

Fünf Töne, die angeblich ausreichen

Besonders deutlich wurde das bei der Pentatonik.

Fünf Töne klingen zunächst überschaubar. Fast schon entgegenkommend. Man lernt ein Muster und bekommt den Eindruck, damit sei der wichtigste Teil bereits erledigt.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Das Muster zeigt zunächst nur, wo die Töne liegen. Es sagt noch nicht, was daraus werden soll. Genau an diesem Punkt wurde der Blues für mich interessant.

Nicht, weil ich damit plötzlich Blues spielen konnte. Sondern weil sichtbar wurde, wie wenig Material Musik manchmal braucht und wie viel trotzdem darin steckt.

Dass wenige Töne reichen können, bedeutet eben nicht, dass sie von allein etwas ergeben.

Der Blues war kein Umweg

Ich hatte den Blues anfangs eher als eigenes Gebiet betrachtet. Als Musik, mit der ich mich irgendwann beschäftigen könnte, falls sie mich stärker interessiert.

Inzwischen sehe ich das anders.

Für jemanden, der E-Gitarre lernt, ist der Blues kein abgelegener Nebenweg. Er ist Teil vieler Strecken, auf denen man ohnehin unterwegs ist.

Man kann ihn ignorieren. Er verschwindet dadurch aber nicht.

Vielleicht bin ich deshalb zwangsläufig beim Blues gelandet. Nicht, weil ich beschlossen habe, Bluesgitarrist zu werden. Sondern weil ich verstehen wollte, was ich auf der E-Gitarre eigentlich höre und spiele.

Und dabei steht der Blues erstaunlich oft schon im Raum.

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