Als Anfänger einen Rocksong lernen? Das kann ja nur schief gehen

Ein kleines öffentliches Gitarrenprojekt über Motivation, Ausreden und die Frage, ob aus Üben irgendwann wirklich ein Song wird.

Geschrieben von

Christian

am

11. Juni 2026

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Ich bin ehrlich: manchmal, und jetzt ist dieses manchmal, habe genug von Technikübungen.

Nicht für immer, vermutlich nicht einmal für besonders lange. Aber im Moment reicht es mir mit einzelnen Griffwechseln, Anschlagsmustern, kleinen Riffs und all den Dingen, bei denen man nach zwanzig Minuten merkt: Ja, das war bestimmt sinnvoll. Gefühlt passiert aber trotzdem nichts.

Also habe ich mir vorgenommen, jetzt einen kompletten Song zu lernen.

Nicht nur den Anfang. Nicht nur das Riff, das Spaß macht. Nicht nur die ersten dreißig Sekunden, bis irgendein Teil kommt, der nach Arbeit aussieht. Sondern wirklich den ganzen Song. Von vorne bis hinten. So zumindest der Plan, und Pläne sind ja bekanntlich bei mir immer sehr solide, bis ich sie anfasse.

Ein paar Songs habe ich schon angefangen. Dann kam aber irgendwann dieses leise Desinteresse um die Ecke, setzte sich neben den Verstärker und fragte: „Musst Du das wirklich weiter üben?“ Und meistens hatte es gute Argumente.

Diesmal soll das anders werden.

Nicht, weil ich plötzlich disziplinierter geworden bin. So weit möchte ich mich aus dem Fenster gar nicht lehnen. Sondern weil ich diesmal darüber schreibe. In meinem kleinen Kämmerlein kann ich anfangen, abbrechen, neu anfangen und so tun, als sei das alles Teil eines geheimen Lernsystems. Da bekommt es ja keiner mit.

Hier im Blog ist das anders. Das ist nicht die große Bühne, aber es ist auch nicht mehr ganz privat. Es ist irgendwie halb öffentlich. Vor allem, weil gerade überhaupt niemand mitliest. Und vielleicht reicht dieses „halb“, um mich ein bisschen bei der Stange zu halten.

Außerdem hilft es mir, meine Ressourcen zu konzentrieren. Für einen Blogpost gebe ich mir immer mehr Mühe, als für meine Textsammlungen daheim.

Jetzt musste also ein Song her.

Er sollte bluesig sein, aber nicht zu altbacken. Rockig, aber nicht so, dass ich ohne Doublebass-Schlagzeuger im Rücken nur so tue, als hätte das noch Druck. Ich kann ja Gitarre. Oder zumindest kann ich in meiner Vorstellung Gitarre, und diese Vorstellung ist beim Üben manchmal erstaunlich großzügig.

Ich wollte etwas mit viel Gitarre. Etwas mit Riffs. Aber auch etwas, das nicht sofort nach Gitarren-Endgegner klingt. Und gesanglich bitte auch nichts, bei dem ich schon beim Zuhören merke, dass meine völlig ungeübte Stimme vorsorglich den Raum verlässt.

Die ganz alten Blues-Schinken habe ich irgendwie schon satt gehört. Muddy Waters und Konsorten haben natürlich ihren Platz, aber im Moment ist das nicht mein Ding. Ich lande eher bei Bluesrock. Also bei Musik, die noch deutlich nach Blues riecht, aber schon genug Strom durch die Kabel jagt.

„Sweet Child O’ Mine“ wollte ich mir auf keinen Fall antun. Das spielt doch gefühlt jeder. Und vor allem spielt es gefühlt jeder besser als ich, was bei meinem aktuellen Stand auch keine besonders steile These ist. Ich kann aber auch nicht verheimlichen dass Slash der Grund ist, warum mir Les Pauls so sehr gefallen und ich eine kleine Version davon zu hause stehen habe.

Ich suche etwas, dass nicht jeder spielt und was mir persönlich sehr gut gefällt. Gefunden habe ich das in ZZ Top.

Die haben einiges zu bieten, wenn man Songs sucht, die ordentlich Gitarrenriffs haben, aber nicht sofort so wirken, als müsse man vorher drei Jahre in einer texanischen Werkstatt gelebt haben. Nach kurzem Durchhören bin ich schließlich bei „Sharp Dressed Man“ gelandet.

Der Song ist cool. Punkt. Und hier ist er:

Er hat diesen trockenen, lässigen Gitarrencharakter, der nicht groß erklären muss, warum er funktioniert. Er marschiert los, macht sein Ding und sieht dabei vermutlich besser angezogen aus als ich beim Üben.

Und weil ich mir das Leben nicht unnötig schwer machen muss, habe ich mir dafür ein Tutorial gesucht. Justin Guitar hat ein Video dazu gemacht, und wahrscheinlich gibt es noch genug andere Anleitungen. Aber eins reicht erst einmal. Ich muss mir ja nicht direkt die ganze Welt selbst heraushören, nur um am Ende festzustellen, dass andere Leute das längst sauber erklärt haben.

Trotzdem wird das vermutlich dauern.

Ich bin ein langsamer Lerner. Sehr langsam, wenn ich ehrlich bin. Manche Dinge brauchen bei mir nicht nur Wiederholung, sondern offenbar auch eine Art geologische Geduld. Aber das ist in Ordnung. Der Song läuft nicht weg. ZZ Top wird nicht plötzlich sagen: „Tut uns leid, Christian, die Lernfrist ist abgelaufen.“

Also fange ich jetzt an.

Mit „Sharp Dressed Man“. Mit Gitarre. Vielleicht irgendwann mit Gesang, falls ich mir das ernsthaft einreden kann. Und mit der leisen Hoffnung, dass ich diesmal nicht nach ein paar Tagen wieder etwas anderes interessanter finde.

Ich werde hier weiter darüber schreiben, wie sich der Song für mich entwickelt. Nicht als Anleitung, sondern eher als kleine Bestandsaufnahme zwischendurch. Was klappt, was nicht klappt, woran ich hängenbleibe und ob ich irgendwann das Gefühl habe, dass aus einzelnen Teilen tatsächlich ein Song wird.

Anmerkung – Hier wird noch mehr über den Song erklärt. Von Robert Baker der scheinbar sehr viele Live Videos von dem Song gesehen hat und interssante Tipps zum Spielen parat hat:

Anmerkung No.2 – Willst du so klingen wie Billy Gibbons, macht es Sinn sich mit seiner Spielweise auseinander zu setzen. So wie in diesem Video:

Anmerkung No. 3 – Wie es aussieht wird das Spielen von Billy Gibbon und diesem Lied mehrfach von vielen Menschen analysiert. Hier ist ein Video von Jake Andrews von 2025:

Anmerkung No. 4 – Details wie Billy das Riff greift kann man in diesen Videos sehen:

Mich interessiert auch, wie das bei Dir war oder gerade ist. Welchen Song wolltest Du als Anfänger unbedingt lernen? Und gab es einen, der erst nach guter Idee aussah, dann aber irgendwann still aus dem Übeplan verschwunden ist?

Schreib es gern in die Kommentare. Vielleicht beruhigt es mich ja, wenn ich nicht der Einzige bin, der Songs mit sehr ernst gemeinter Absicht anfängt und sie später nur noch aus der Ferne grüßt.

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