Fünf Minuten klingen nach nichts. Nach einer Ausrede. Nach „Ich habe heute eigentlich keine Zeit, aber ich will mir nicht eingestehen, dass ich wieder nicht geübt habe“.
Beim Gitarrelernen sind fünf Minuten aber erstaunlich viel.
Nicht, weil man in fünf Minuten plötzlich ein Solo spielt, bei dem Nachbarn anerkennend durch die Wand nicken. Das passiert eher nicht. In fünf Minuten wird man auch nicht vom verkrampften Anfänger zum lässigen Riff-Menschen mit Bühnenblick.
Aber man bleibt in Kontakt mit der Gitarre.
Und das ist mehr wert, als es klingt.
Fünf Minuten reichen, um einen Akkordwechsel ein paar Mal langsam zu spielen. Sie reichen, um eine Stelle zu wiederholen, die gestern noch geklemmt hat. Sie reichen, um das Plektrum wieder richtig in die Hand zu nehmen und zu merken: Ach ja, so war das. Sie reichen auch, um festzustellen, dass die Finger heute irgendwie aus Holz sind. Auch das ist eine Form von Erkenntnis, wenn auch keine besonders glamouröse.
Das Gute an fünf Minuten ist, dass sie wenig Drama machen. Man muss sich nicht erst in Übestimmung bringen. Kein großer Plan, kein innerer Motivationsredner, keine perfekte Situation. Gitarre nehmen, kurz spielen, fertig.
Gerade als Anfänger unterschätzt man, wie viel beim Üben über Wiederholung läuft. Nicht über heroische Übesitzungen, nach denen man erschöpft auf den Verstärker sinkt. Sondern über dieses kleine, regelmäßige Erinnern der Hände. Die Finger lernen offenbar nicht durch Einsicht, sondern durch nervige Wiederholung. Eine ziemlich unsympathische, aber wirksame Methode.
Fünf Minuten am Tag können deshalb mehr bringen als eine Stunde alle zwei Wochen. Nicht, weil fünf Minuten magisch wären. Sondern weil sie die Hürde klein halten. Und weil klein genug manchmal genau die Größe ist, bei der man überhaupt anfängt.
Natürlich ersetzt das kein längeres Üben. Irgendwann braucht man Zeit, Geduld und die Bereitschaft, dieselbe Stelle so oft zu spielen, bis man sich fragt, ob das Instrument einen persönlich beleidigen möchte.
Aber an Tagen, an denen wenig geht, sind fünf Minuten kein Scheitern.
Sie sind ein Haken an der Sache.
Ich habe heute gespielt. Nicht viel. Aber genug, damit die Gitarre nicht wieder zu einem Möbelstück wird.

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